Das Kettenhemd

 

Allgemeines

 

Da ich leider keinen Scanner habe, mußte ich auf die alte Methode des Schreibens zurückgreifen. Was ja manchen Menschen Spaß machen soll. Na ja, ich weiß nicht so recht. Zum Thema! Da ich selber einige Probleme hatte im Internet eine brauchbare Strickanleitung für ein Kettenhemd zu bekommen, sie durch viel Telefonieren doch erworben habe, stelle ich sie euch hier zu Verfügung. Der Text ist nicht von mir, sondern aus dem Envoyer.

 

Larp- Ausrüstung, was und wie?

 

Besonders der "Einsteiger" fragt sich oft, wie er seinen Charakter entsprechend ausrüsten kann. Hierbei geht es um Fragen zu z.B. Gewandung, Rüstung, Waffen etc. In erster Linie ist die Frage nach Larp-Ausrüstung eine Frage nach dem Preis... Wir wir wollen nun hier und in folgenden Ausgaben hilfreiche Tips geben, um den Einstieg möglichst einfach zu gestalten. Nachdem der Einsteiger eine Waffe besitzt ( siehe ENVOYER, Ausgabe 02/98 ), stellt sich für manchen die Frage nach einer Rüstung. Auf einem Larp kann man sich bereits ein Bild von den "verkehrsüblichen" Panzerungen machen. Generell kann man hier einteilen in: Lederrüstung/ Schuppenpanzer, Platte (=die klassische "Ritterrüstung") und Leder- Metall-Kombinationen.

 

Geht man zunächst zu seinem Larp-Händler, um sich über die Möglichkeiten zu informieren, ist das Ergebnis jedoch eher ernüchternd. Denn über den Materialpreis hinaus muss der ambitionierte Rüstungsträger einen ganzen Batzen Arbeitslohn drauflegen -zu Recht, denn Rüstungsherstellung ( die Arbeit im Mittelalter sog. Plattner) ist zeitraubend und aufwendig.

Wir wollen in diesem Heft die Fertigung des klassischen Kettenhemdes beleuchten. Das Kettenhemd zeichnet sich durch mehrere Faktoren besonders aus. Es ist eine optisch sehr schöne Panzerung, die gleichzeitig mit ein wenig Geschick und Zeit auch vom "Durchschnitts-Larper" hergestellt werden kann.

Das Kettenhemd ist ein "Kleidungsstück", künstlerisch zusammengesetzt aus Tausenden von einzelnen Metallringen, den Kettengliedern. Diese werden in aufwendigen Arbeitschritten zusammengeflochten nach "Strickmustern", die eine hohe Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Das Kettenhemd verhalf dem mittelalterlichen Ritterstand zu seinem Mythos der Unverwundbarkeit. Von den Kelten entwickelt, später von den Römern übernommen und von den Rittern des 12. Jahrhunderts perfektioniert, stellte es eine sehr effektive Rüstung dar. Es schützte vor nahezu jeder Waffe. Nach Weiterentwicklung der Waffen (härterer, schärferer Stahl) wurde es abgelöst von starren Plattenrüstungen, war jedoch weiterhin Bestandteil dieser, vor allem an den elastischen Stellen der Rüstung.

Sowohl Profi als auch Laie arbeiten bei der Herstellung nach den gleichen Prinzipien. Zu achten ist z.B. auf hohe Elastizität bzw. Dehnbarkeit der Strickmuster. In den Arbeitsschritten geht man wie folgt vor. Wer sich zunächst mit der Materie beschäftigt (Sachbücher, etc.), findet hoffentlich schnell eine Abbildung, die den eigenen Vorstellungen entgegenkommt. Es gibt, um jedem eine Anregung zu geben, mehrere Arten von Kettenschutz. So z.B. eine Art T-Shirt ( keine langen Arme, nur Oberkörper bis ca. Gürtellinie bedeckt); langärmelige Hemden mit Schutz bis zu den Oberschenkeln; Kettenhauben ( Kopf und Schulter); Kombirüstungen, die mit Kettengeflecht arbeiten; etc. Dann muß Maß genommen werden ( es heißt nicht umsonnst Kettenhemd). Maßnehmen ist im Übrigen ein Arbeitsschritt, den man über den gesammten Herstellungsprozess mehrfach wiederholen sollte. Anhand des Strickmusters (siehe Abbildungen) arbeitet man sich dann von Schultern und Kragen nach unten vor. Man geht also quasi wie beim Stricken eines Pullovers vor. Hierbei hat sich das Vorfertigen von "Geflechtlappen" (ca.100 Ringe) und das spätere Anfügen derselben bewährt. Wichtig ist es, im Oberkörperbereich den Vorder- und Hinterteil zunächst auseinanderzuhalten und später an den Seiten zusammenzufügen. Ärmel sollten ähnlich offengehalten werden. All dies dient dazu, ein individuell passendes Hemd mit genügend Platz für Unterkleidung u.Ä. herzustellen.

Der Prozeß des "Strickens" vollzieht sich folgendermaßen. Die Ringe sind generell bei Erwerb zusammengebogen. Man muß also den zu verarbeitenden Ring auf- und nach dem Einfügen wieder zubiegen. Dies geschieht am besten mit zwei möglichst kleinen Zangen. Viel Arbeit spart man sich beim europ. Geflecht dadurch, daß man jeweils 3 Reihen in einem Arbeitsgang fertigstellt. Gebogen werden müssen hierbei nur die Ringe der mittleren Reihe (Schaut Euch die Zeichnung an!)

Ihr wollt Fakten und Zahlen? Kein Problem: Das Material ist zu beziehen bei allen großen Larp-Händlern. Man bekommt Ringe in Zahlen von 1000 Stück. Es gibt mehrere Arten von Kettengliedern; normal üblich sind 8-, 10-, 12mm Durchmesser. Des weiteren gibt es in guten Baufachhandel Federringe, die ebenfalls dienlich sein können, ganz besonders für das persische Muster. Die Preise für "konservative" Kettenglieder liegen, je nach Größe, zwischen 22 und 26 DM pro 1000 Stück. Der normale Ring ist blank. Es gibt darüber hinaus auch geschwärzte (Achtung Abfärbegefahr!) und goldfarbende Ringe. Sehr gut für Ornamente u.Ä.-

Nehmen wir z.B. an, ihr hättet Euch für das "kleine" Modell (T-Shirt) entschieden. Ihr wollt nach europäischem Strickmuster arbeiten (siehe Abb.) und verwendet 10-er Ringe. So ergibt sich für Euch, der ihr normalgroß seid, eine Arbeitszeit von 50 bis 70 Stunden (für den Anfang; Profis stellen einen Langärmler in ca. 40 Std. her).

Ihr benötigt 15- bis 20-tausend Ringe. Kauft Ihr ein entsprechendes Hemd, so zahlt Ihr ab 600 DM. Ein kleines Rechenstück... Regeltechnich ( hier nach DragonSys) hat man sich fast überall darauf geeinigt, das z.B. dieses T-Shirt einen lokalen Rüstungsschutz von ca. 3 RS bringt. Andere, langärmelige Hemden bewegen sich im Bereich um 4 RS. Oft wird gesagt, Kette schütze komplett vor Bogenpfeilen und sei nur von Armbrustbolzen zu durchdringen. Normalerweise sind diese Dinge aber Sache der jeweiligen SL.

Auf jeden Fall lohnt sich der Griff zum Do-it-yourself für jeden, der ein Händchen für diese Dinge hat und ein individuelles Ausrüstungsstück wünscht. Alle anderen müssen viel rumprobieren (sicherlich auch mit viel Spaß verbunden) oder in den sauren Apfel beißen und mehr bezahlen.

Ich wünsche allen, die es versuchen, viel Spaß und Erfolg. Auf bald...

-E.F.-